Sonderausstellungen

Blick ins Leben

Textilkunst von Gertrud Schaper

Der Titel „Blick ins Leben" ist bei dieser Ausstellung wörtlich zu nehmen: Gertrud Schaper lädt uns ein, genau hinzusehen – in Gesichter, in Augen, in die Seele des Menschen. Ihre Textilkunst öffnet Fenster zu dem, was uns alle verbindet: Freude und Schmerz, Hoffnung und Enttäuschung, Liebe und Sehnsucht. In ihren Arbeiten begegnen uns keine idealisierten Figuren, sondern Menschen wie du und ich. Die Künstlerin fängt jene stillen Momente ein, in denen sich das ganze Leben in einem Blick verdichtet. Mal zeigt sie einzelne Personen in ihrer Einzigartigkeit, mal Menschen im Dialog miteinander, manchmal auch in direkter Gegenüberstellung – als würden sie uns ihre Geschichte erzählen wollen.

Gertrud Schapers besondere künstlerische Sprache entsteht durch das Zusammenspiel verschiedener Materialien: Sie arbeitet mit Stoffapplikationen und Collagen, überlagert bunte Textilien mit durchscheinenden Materialien und ergänzt ihre Kompositionen durch freie Stickerei. Diese Technik verleiht ihren Werken eine ganz eigene Tiefe und Lebendigkeit. Die unterschiedlichen Schichten – mal transparent, mal kräftig – lassen die Porträts geradezu atmen.
Was ihre Arbeiten so berührend macht, ist die Ehrlichkeit, mit der sie den Menschen in all seinen Facetten zeigt – in seiner Kraft ebenso wie in seiner Verletzlichkeit, in alltäglichen wie in schicksalhaften Momenten. Ihre Figuren schauen uns an, fordern uns heraus, sprechen uns an. Sie erzählen vom „Geheimnis Leben", das zwar in unserer Zeit verankert ist, aber zugleich zeitlose Fragen berührt.
„Blick ins Leben" bedeutet also: einen Augenblick innehalten und erkennen, dass in jedem Gesicht eine ganze Welt verborgen liegt. Die Ausstellung lädt dazu ein, diese Welten zu entdecken – und vielleicht auch ein Stück von sich selbst darin wiederzufinden.

 

 

Ausstellung

20. März bis 27. September 2026

 

 

Fäden der Erinnerung

Eine temporäre, partizipative Kunstinstallation von Anja Kowalik

Die Installation "Fäden der Erinnerung" von Anja Kowalik ist im Dialog zwischen künstlerischem Konzept, der historischen Identität Neumünsters und der aktiven Beteiligung seiner Bürgerinnen und Bürger entstanden. Sie verbindet Kunst und Stadtgeschichte und eröffnet einen Raum, in dem persönliche Erinnerungen und kollektive Geschichte miteinander in Beziehung treten.

Neumünster blickt auf eine lange Tradition als Tuch- und Textilstandort zurück. Vom handwerklichen Tuchgewerbe über Spinnereien und Webereien bis hin zur Bekleidungsproduktion hat die textile Arbeit die Entwicklung der Stadt und die Identität ihrer Bewohnerinnen und Bewohner über Jahrhunderte geprägt. Diese historische Grundlage bildet einen wesentlichen Ausgangspunkt für das künstlerische Konzept der Installation.

Weben, Knoten und Verbinden wurden zu einer ästhetischen Übersetzung dieser Geschichte. Die verwendete Schurwolle verweist unmittelbar auf die textile Vergangenheit der Region und auf einen Werkstoff, der über Generationen hinweg Teil der örtlichen Produktionsgeschichte war. Aus dem einzelnen Faden entstand ein Geflecht – so wie aus einzelnen Lebensgeschichten eine gemeinsame Geschichte entsteht. Dabei ist die Installation nicht allein ein fertiges Kunstwerk, sondern wurde ein wachsender Erinnerungsraum durch die Beteiligung zahlreicher Bürgerinnen und Bürger. Jeder beteiligte Mensch fügte einen eigenen Faden hinzu und hinterließ damit eine Spur. Der einzelne Faden steht für eine persönliche Erinnerung, eine Erfahrung, eine Beziehung oder einen Moment; im Zusammenspiel aller Fäden entstand ein vielstimmiges Gefüge. So wurde das textile Material zum Träger von Erinnerung und zugleich zum Symbol für Gemeinschaft. Was zunächst getrennt erschien, wurde miteinander verbunden. Unterschiedliche Lebensgeschichten, Generationen und Erfahrungen haben ihren Platz in einem gemeinsamen Gewebe gefunden.

Für Anja Kowalik ist "Fäden der Erinnerung" daher vor allem ein Raum der Begegnung und des gemeinsamen Erinnerns. Die Installation macht sichtbar, dass Geschichte nicht nur in Archiven, Gebäuden und Objekten bewahrt wird, sondern auch in den Menschen, ihren Erzählungen und ihren persönlichen Erinnerungen weiterlebt. 

 

Eröffnung

Sonntag, 13. September 2026, 17 Uhr, Eintritt frei

 

Installation

13. September 2026 bis April 2027

Was konnten sie tun?

Widerstand gegen den Nationalsozialismus

1933 übernahmen Hitler und die Nationalsozialisten die politische Macht in Deutschland. Sie errichteten eine Diktatur. Die meisten Deutschen folgten dem neuen Regime begeistert oder passten sich an, weil sie sich davon Vorteile erhofften. Manche blieben passiv. Aber nur wenige Menschen stellten sich den Verletzungen der Menschenrechte und den Verbrechen der neuen Machthaber entgegen.

Die Ausstellung „Was konnten sie tun? Widerstand gegen den Nationalsozialismus 1939-1945“ der Stiftung 20. Juli 1944 in Zusammenarbeit mit der Gedenkstätte Deutscher Widerstand, die das Museum Tuch + Technik vom 5. Juni bis zum 25. Oktober 2026 präsentiert, zeigt, wie vielfältig die Formen des Widerstands gegen den Nationalsozialismus waren. Manche Menschen verbreiteten Informationen ausländischer Rundfunksender, druckten Flugblätter und verteilten sie. Andere halfen verfolgten Juden, Kriegsgefangenen oder Zwangsarbeitern. Und einige versuchten, Hitler zu stürzen, um seine verbrecherische Herrschaft und den Krieg zu beenden.

Die Präsentation in Neumünster ist eine Kooperation zwischen Museum Tuch + Technik und dem Landesbeauftragten für politische Bildung Schleswig-Holstein auf Anregung der Initiative „Freiheit in Demokratie“. Sie wird in der Fensterfront zum Kleinflecken gezeigt und ist daher auch unabhängig von den Öffnungszeiten des Museums jederzeit zugänglich.

 

Ausstellung

4. Juni bis 29. November 2026

Fadenscheinig

Fast Fashion im Fokus

Menschenunwürdige Arbeitsbedingungen in den Textilfabriken, Umweltverschmutzung und textile Müllberge in Ländern wie Ghana und Chile: Die Auswirkungen des Phänomens „Fast Fashion“, bei dem Modetrends rasant designt, zu extrem niedrigen Preisen produziert und in kurzen Zyklen verkauft werden, sind immens. Die Ausstellung FADENSCHEINIG setzt sich sowohl künstlerisch als auch auf informativer Ebene mit den zerstörenden Folgen unseres Mode- und Kleidungskonsums auseinander.

Künstler*innen zeigen Arbeiten, die zum Nachdenken anregen sollen und die uns auffordern, der Frage nachzugehen, wie wir unseren Kleidungskonsum minimieren können. Zu sehen sind zum Beispiel Web- und Filzarbeiten, Objekte aus ausgedienten Schuhen und Fotoarbeiten zum Ausstellungsthema. Auch Schülerinnen und Schüler der Freiherr-vom-Stein-Schule Neumünster sind mit einer künstlerischen Arbeit vertreten: Sie verarbeiten gebrauchte Jeans zu Objekten und Kleidungsstücken.

Darüber hinaus informiert die Ausstellung über die Hintergründe der „Fast Fashion“: Bereits die Herstellung der Billig-T-Shirts, der Masse an Fast Fashion, läuft unter prekären Arbeitsbedingungen, verbraucht Wasserressourcen und verschmutzt die Umwelt. Viele Textilien sind mit krebserregenden Schadstoffen kontaminiert und bestehen aus Polyesterstoffen, die als Mikroplastik im Meer landen. Ein großer Anteil der Fast Fashion wird als Paket verschickt. Etliche dieser Pakete gehen zurück und werden meist entsorgt. Eine Praxis, die in der Europäischen Union zwar verboten, deren Kontrolle aber unklar ist. Bilder aus der Atacamawüste und von der Küste von Ghana zeigen die Flut von Altkleidern, die aus Europa, Nordamerika und Asien in den globalen Süden verschifft und zu Müllbergen werden.

 

 

KÜNSTLER*INNEN


Beate Ahrends

Denise Bettelyoun

Petra Genster (Kuratorin)

Ellen Junger

Katrin Ludwig

Barbara Otto

Corinne Riepert

Carola Spiekermann

Léon Tronser

Schüler:innen des WPU Textil der Jahrgangstufen 7./8. und 9./10.

der Freiherr-vom-Stein Schule Neumünster

 

ERÖFFNUNG

Donnerstag, 5. November 2026, 19 Uhr, Eintritt frei

 

Ausstellung

6. November 2026 bis 14. April 2027